Meine Sicht auf das FCL-Alpstaeg-Theater

Wie hat es angefangen?

Angefangen hat es eigentlich schon in den frühen 00er-Jahren, als der FCL mehrmals praktisch Bankrott war. Damals (2005) wurde von Walter Stierli die erste „FCL AG“ gegründet, mit ihm als alleiniger Aktionär. Im Laufe der Zeit hat Stierli dann immer wieder Aktienanteile verkauft, z.B. an Bernhard Alpstaeg (Swisspor AG), Marco Sieber (Siga AG), Samih Sawiris (Orascom/Andermatt), Hans Schmid (Schmid Bau) oder Josef Bieri. (Mehr dazu im Adventsblog)

Das spezielle daran: Der „Kaufpreis“ der Aktien ging nicht an Stierli, sondern grösstenteils an den FCL. Mit diesem „gespendeten“ Geld konnte der FCL wirtschaften, Transfers tätigen, Verluste decken.

Dazwischen hat Stierli den Neubau des Stadions vorangetrieben. Laut eigenen Aussagen konnte er dabei auf die Unterstützung von Alpstaeg zählen, ohne den es das Stadion nicht gäbe. Validieren lässt sich das nicht.

2015 trat Stierli als Verwaltungsrat des FCL zurück. Was mit seinem 25%-Aktienanteil passierte, blieb zuerst unklar. Später wurde aber bekannt, dass er seine Aktien an Alpstaeg verkauft hat. Dies hat zwei Punkte zur Konsequenz: Alpstaeg verfügt nun über die Mehrheit der Aktien, der Kaufpreis landete jedoch nicht wie üblich beim FCL sondern bei Stierli.

Es folgt eine Phase von immer wieder aufflammenden Streitigkeiten und Re-Organisationen beim FCL. Diese gipfeln in einem Interview von Alpstaeg im Blick Ende 2022.

Der Auslöser

Auslöser der ganzen Eskalation ist das Interview bzw. die Aussagen von Alpstaeg im Sonntagsblick (Oktober 2022). Er wolle die Führung mit Präsident Wolf und Sportchef Meyer entlassen.

Im Dezember standen die ordentlichen Generalversammlungen der verschiedenen FCL-AGs an. So auch jene der FCL-Holding, wo Alpstaeg vermeintlich die Mehrheit besitzt. Aufgeschreckt von den Aussagen im Blick und vor dem Hintergrund, dass sie den Übergang der Aktien von Stierli an Alpstaeg als nicht-sauber taxierten, strich der FCL-VR den Anteil Alpstaegs aus dem Aktienbuch. Somit waren die übrigen Aktionäre wieder in der Mehrheit.

Mit dieser Konstellation arbeitete der FCL zunächst weiter. Alpstaeg zeigte verschiedene Protagonisten an und fing an, entsprechende Klagen zu erarbeiten.

Parallel dazu formierte sich im Vorfeld der Generalversammlungen ein breiter Widerstand gegen Alpstaegs Ideen unter dem Namen „Meh als 52 %„, welcher eine Abkehr vom Mehrheitsaktionär-Modell und eine Mitsprache für Fans forderte.

Vermittlungsversuche

„Das kann ja nicht sein“, „Redet miteinander“, „Setzt euch an einen Tisch“, „Findet eine gemeinsame Lösung“: Das waren die Worte in der Zeit nach der Eskalation. Das sagte sich auch der FCL bzw. sein mittlerweile grösster Aktionär Josef Bieri. Der Wille zum Gespräch blieb aber einseitig: Alpstaeg wollte nicht.

Zuerst haben die Fans zu vermitteln versucht. Auch die Stadt und Stadtpräsident Züsli waren involviert. Es gab weitere Vermittlungsversuche von Privatpersonen, z.B. aus den Reihen des Beirats, der Politik oder dem Gewerbe.

Die Gespräche scheiterten stets am Anspruch Alpstaegs, dass er der rechtmässige Besitzer der Aktien-Mehrheit sei und dies zuerst so festgestellt/eingetragen sein müsse.

Aus diesem Grund kann ich das Gerede von „gemeinsam“, „beide sollen X“, „beide Y“, usw. nicht mehr hören. Man muss einzig an Alpstaeg appellieren. Ob sich dieser nach dem doppelten Freispruch vor Gericht (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, evtl. zieht es der FCL weiter) kompromissbereit zeigt, darf bezweifelt werden.

Jetzt und Ausblick

Unterdessen und trotz des schwelenden Streits vor Gericht hat sich der FCL und sein Aktionariat weiterentwickelt.

Es sind weitere Aktionäre nebst Bieri zum FCL dazugestossen, darunter die „alten Aktionäre“ Sawiris und Schmid, aber auch neue wie Thomas Meier (Lehner Versand, FDP Kantonsrat), Robert Casagrande (Souvenirs) oder Hans-Peter Strebel (EVZ, OYM).

Daneben wurde die FCL Basis gegründet. Ein Verein mit rund 1500 Mitgliedern, der sich ebenfalls am FCL beteiligt hat.

Als letztes trat die „FCL AG Solidarisch“ in Erscheinung, welche sich ebenfalls am FCL beteiligt hat und entsprechend Geld bereitstellt. Dahinter stehen dieselben Aktionäre wie die der FCL-Holding.