Zur Abstimmung über die Fangewalt-Initiative

Gestern Abend (18. August 2026) hat Die Mitte Kanton Luzern an der Delegiertenversammlung (DV) die Parole zu ihrer Initiative gegen Fangewalt sowie zum Gegenvorschlag gefasst (über beide stimmen wir am 27. September 2026 ab). Vorweg: Es wäre natürlich total vermessen zu denken, die Meinung meiner Partei zur eigenen Initiative ändern zu können. Trotzdem habe ich mir erlaubt, meinen Standpunkt gegen diese Initiative darzulegen. Ich habe davor gewarnt zu glauben, die Initiative nütze gegen Fangewalt oder „stoppe Chaoten“, wie es auf dem Flyer und Abstimmungs-Plakat zu lesen ist. Das ist nämlich nicht der Fall. Es wird weiterhin Pyros im Stadion und Ausschreitungen ausserhalb des Stadions geben.

Wer an der Delegiertenversammlung vom 16. Mai 2023 dabei gewesen ist weiss, dass ich schon damals üs als Partei von dieser Initiative abgeraten habe. Ich will mich nicht wiederholen, wer es interessiert wieso das alles chabis ist kann das im argumentarium auf estermann.it nachlesen.

Jetzt ist sie da – zmindest das wo no öbrig bliibt – und wir stimmen darüber ab. Ich werde selbstverständlich Nein sagen zu dieser Initiative und ich werde auch Nein sagen zum Gegenvorschlag. 

Warum?

Der Gegenvorschlag schreibt einzig die Massnahmen ins Gesetz, wo schon jetzt – ohne Gesetz – gemacht werden. Es ändert sich also nichts. 

Die Massnahmen in der Initiative wie zb personalisierti Tickets sind falsch weil sie nichts gegen Ausschreitungen am bahnhof nützen, sie sind sogar kontraproduktiv, weil sie das einlassprozedere mit ID checks verlängern und die riesenschlangen vorem iigang weniger kontrollierbar ond gföhrlicher machen. 

Und schon gar nicht – meine damen und herren – schon gar nicht stoppt die initative chaoten, wie es jetzt auf den Plakaten am strassenrand draufsteht. Es wird wiiterhin pyros im stadion geben und es wird weiterhin Ausschreitungen am bahnhof geben. Das esch so secher wie dass de adi nussbaum regierungsrat wird. Sind sie de bitte eifach ned überrascht. Bi beidem ned.

Das gesetz durchsetzen und chaoten stoppen kann einzig und alleine die Polizei.

Die instrumente sind alle vorhanden. wenn man zurückschaut auf die Street Parade zürich vor eineinhalb wochen sind 30 Personen festgenommen worden, wenn man zurückschaut auf die Fasnacht in Luzern, da sind 200 personen kontrolliert und 21 Personen festgenommen worden. und wenn man zurückschau an FCL Spiele, da sind null Personen festgenommen worden. 

Ich lade euch ein liebe kantonsrötinne kantonsröt, ond au sie liebi journaliste, mal nachzufragen bei der polizei wie viele Personen sie festgenommen oder weggewiesen haben bei einem FCL spiel, wie viele Personen mit einem Rayonverbot belegt worden sind und wie viele mit einer Meldepflicht. 

DAS würde nützen und die chaoten aus dem verkehr ziehen.

Votum Markus Estermann Mitte-DV 18. August 2026

Sämtliche Forderungen der Initiative habe ich in meinem Argumentarium widerlegt. Ebenfalls zeige ich dort auf, welche Alternativen stattdessen umgesetzt werden müssten. An der DV ging es in der anschliessenden Diskussion leider nicht um Argumente, sondern um emotionale Standpunkte und Sprüche wie beispielsweise „Jetzt muss etwas getan werden“, „Wir haben die Schnauze voll“ oder „Wir wollen keine Gewalt und keine Sachbeschädigungen“. Solche Aussagen zeugen von Symbolpolitik und von fehlenden inhaltlichen Argumenten. Sie bringen uns nicht weiter und lassen Lösungsorientierung und Debattenkultur vermissen. Wer aus solchen Motiven „ein Zeichen setzen“ will und deshalb der Initiative zustimmt, muss damit rechnen, das Gegenteil auszulösen, die Situation also noch zu verschlimmern. 

Mit sachlichen Argumenten gegen pauschale Vereinfachungen anzukämpfen braucht Geduld. Mich würde es freuen, wenn Sie sich mit den konkreten Argumenten auseinandersetzen, statt sich von Sprüchen und Stammtischparolen verleiten zu lassen. Gerne dürfen sie den Artikel in ihrem Umfeld teilen. Sagen sie Nein zur Initiative gegen Fan-Gewalt. Denn Gewalt bekämpfen und Chaoten stoppen können nur die Polizei und die Richter. Dazu ist diese Sippenhaft-Initiative der falsche und sogar kontraproduktive Weg.

Der Gegenvorschlag wurde von den Delegierten mit 148 Ja zu 88 Nein angenommen.

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